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Vergangene Veranstaltung

Die Burg hat keine lobby!

Wir trafen uns auf den Grünflächen an der August-Riedel-Straße mitten in der Burg

Mit dabei waren:

Dr. Klaus Wührl-Struller

Thomas Bauske

Thomas Hacker

Klaus Klötzer

Karsten Schiesseck

Dolores Longares-Bäumler

Uwe Prokscha

Nancy Kamprad


Inhalt der Gesprächsrunde:

Seit fast drei Jahren sind wir, der Verein wundersam anders e.V.,  vier- bis fünfmal pro Woche von 15.00-19.00 Uhr in der Burg mit unseren spielpädagogischen Inhalten aktiv: im öffentlichen Raum, bei Wind und Wetter. Mit den unterschiedlichsten Methoden, sei es analog oder digital, unterstützen wir die Kinder und Jugendliche dabei, einen zusätzlichen Zugang zur kulturellen und politischen Bildung zu erhalten und diese oftmals gänzlich neuen Erfahrungen auszudrücken. Die Ergebnisse beeindrucken: Comics, Sozialplastiken aus Stahl, digitale Spiele, sog. local based games etc. entstanden in den letzten 3 Jahren. Diese möchten wir der Öffentlichkeit mit der Ausstellung „Macht Helden! – eine Zwischenbilanz“ präsentieren.

Hierzu laden wir, die Kinder und die Fachkräfte, sehr herzlich ein!

Darüber hinaus konnten wir durch unsere Arbeit Problemfelder des Sozialen Wohnens ablesen, die sich im Sozialraum „Burg“ deutlich abzeichnen:

  • Die Kinder und Jugendlichen haben keinen „Anlaufpunkt“

  • Es fehlt eine soziale Infrastruktur

  • Die Hausverwaltung (Wohnungs- und Siedlungsbau Bayern GmbH) scheint nicht sehr „menschenzugewandt“ zu sein und wird von den Bewohnern als sehr restriktiv wahrgenommen

Diese Problemfelder drücken sich in einer desolaten zivilgesellschaftlichen Haltung aus:

Die Kinder und Jugendlichen haben weder das Wissen, wie man Dinge verändern kann, noch haben sie Selbststeuerungsinstrumente, um sich entweder das Wissen einzuholen oder um Dinge selbst anzupacken, um sie z.B. gesellschaftspolitisch zu „erkämpfen“ oder Ähnliches. Das heißt, sie sind nicht in der Lage, ihre Bedürfnisse überhaupt formulieren zu können, noch haben sie Kenntnisse darüber, dass es Stellen gibt, denen sie ihre Bedürfnisse gegenüber äußern können und die ihnen zuhören und sie ernst nehmen.


Dass es auch anders gehen kann, sehen wir in Bayreuth an einem anderen, ähnlichen Brennpunktviertel: die Altstadt. Hier hat sich im Laufe der letzten Jahre rund um den Menzelplatz eine gut vernetzte soziale Infrastruktur aufgebaut, die menschenzugewandt den Sozialraum lebenswert gestaltet.

Was sind die Erfolgsfaktoren, die am Menzelplatz in der Altstadt gegriffen haben? Was fehlt in der Burg oder müsste in der Burg angepackt werden, um die Gesamtsituation für die Menschen dort zu verbessern?

Wir sehen uns durch unsere mehrjährige Arbeit in der Burg in der Verantwortung, die Wünsche und Ideen an die Kommunalpolitik weiterzureichen und auf die Situation der Menschen in der Burg aufmerksam zu machen.


Inszenierung:

Mitten auf der Grünfläche an der August-Riedel-Straße bauten wir ein kleines „Wohnzimmer“ auf: Teppich, Stühle, Sessel und kleine Tischchen wurden arrangiert; außenherum boten wir weitere kleine Sitzinseln für mögliche Anwohner, die der Gesprächsrunde beiwohnen wollten.

Wir waren bereits zwei Stunden vorher da, weil wir wussten, dass dann Kinder zu uns kommen – so wie bei einer normalen Spielsituation auch. Mit den Kindern zusammen bauten wir das Szenario auf und forderten sich auch auf, sich an unserem „Politikerspiel“ zu beteiligen


Methode:

Zum Einstieg zeigten wir den Gästen beispielhaft anhand des „Fadenspiels“, wie wir unsere offene und freie Kinder- und Jugendarbeit methodisch aufbereiten. Die Kinder wurden so direkt in die Gesprächsrunde eingebunden und zu Experten ihres Bereichs. Die Gäste ließen sich alle mehr oder weniger geschickt auf das Spiel ein. Die Kinder übernahmen die Rolle des Gastgebers und des Mentors – so war sofort eine Brücke zu den Gästen geschlagen. Im direkten Anschluss führten drei Kinder einen Sketch vor.

Diese wurde dann als Überleitung in das Thema von Herrn Gütling interviewt. In der darauffolgenden Gesprächsrunde wurde offen und klar kontrovers diskutiert. Anwohner brachten sich ebenfalls ein.


Ergebnis:

Schnell war klar: Es braucht zum Weiterkommen in der Burg unbedingt die Hausverwaltung mit am Tisch. Diese hat sich in den letzten Jahren immer mehr zurückgezogen und verwaltet eher restriktiv als menschenzugewandt. Am Ende verständigte man sich, die Anwohner dabei zu unterstützen, die Wohnungs- und Siedlungsbaugesellschaft dafür zu gewinnen, sich an einem Gespräch zu stellen und sich für die Entwicklung des Quartiers wieder stark zu machen.